Strahlenschutz

Aus Mhfe-wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Auszug aus der DESY Strahlenschutzanweisung Stand: 1. Februar 2016

Zur Vermeidung einer Gefährdung durch ionisierende Strahlung beim Betrieb von Beschleunigern, beim Umgang mit radioaktiven Stoffen und beim Betrieb von Störstrahlern sind die Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) bzw. die Röntgenverordnung (RöV) sowie Auflagen aus den Genehmigungen der Aufsichtsbehörde zu befolgen.

Organisation des Strahlenschutzes

Strahlenschutzverantwortlicher
Strahlenschutzverantwortlicher für den Betrieb der Beschleuniger, den Umgang mit radioaktiven Stoffen und den Betrieb von Störstrahlern und Röntgengeräten im Verantwortungsbereich des DESY ist das DESY-Direktorium. Es bestellt ein Mitglied des Direktoriums, das die Aufgaben des Strahlenschutzverantwortlichen wahrnimmt.

Strahlenschutzbevollmächtigte
Der Strahlenschutzverantwortliche bestellt den Leiter der Strahlenschutzgruppe D3 und dessen Stellvertretung als Strahlenschutzbevollmächtigte

Strahlenschutzbeauftragte
Der Strahlenschutzverantwortliche bestellt in Übereinstimmung mit den Strahlenschutzbevollmächtigten für jeden Arbeitsbereich von DESY, in dem mit radioaktiven Stoffen umgegangen wird oder in dem an Beschleunigern, Störstrahlern oder Röntgengeräten gearbeitet wird, einen Strahlenschutzbeauftragten und mindestens einen Stellvertreter.

Die Strahlenschutzbeauftragten sind der Aufsichtsbehörde anzuzeigen. Sie benötigen die für ihren Aufgabenbereich erforderliche Fachkunde. Spätestens alle 5 Jahre müssen die Strahlenschutzbeauftragen an einer behördlich anerkannten Fortbildungsveranstaltung teilnehmen, die zum Erhalt der Fachkunde erforderlich ist. Die Strahlenschutzbeauftragten sind in ihrem Arbeitsbereich gegenüber allen Mitarbeitern (auch ihren Vorgesetzten!), Gästen und Besuchern in Angelegenheiten des Strahlenschutzes weisungsberechtigt und haben ihnen gegenüber eine Aufsichtspflicht. Die Strahlenschutzbeauftragten sind in ihrem Arbeitsbereich für die Strahlensicherheit von Mitarbeitern, Gästen und Besuchern verantwortlich und haben dies durch die erforderlichen Maßnahmen sicherzustellen. Sie haben insbesondere dafür zu sorgen, dass jede unnötige Strahlenexposition von Mensch und Umwelt vermieden wird.

Die Strahlenschutzbeauftragten werden bei Ihrer Tätigkeit von den Bereichsleitern, Bereichsreferenten, Gruppenleitern, den Koordinatoren der Beschleuniger und den Experimenteverantwortlichen unterstützt. Diese sind dafür verantwortlich, dass alle Informationen betrieblicher oder organisatorischer Art, die für den Strahlenschutz bedeutsam sein können an die zuständigen Strahlenschutzbeauftragten bzw. an die Strahlenschutzbevollmächtigten weitergeleitet werden.
Werden in einer Gruppe oder in einem DESY-Bereich neue genehmigungspflichtige Tätigkeiten geplant oder durchgeführt, so müssen die Strahlenschutzbevollmächtigten vorher darüber informiert werden. Diese prüfen, ob die neuen Tätigkeiten durch die strahlenschutzrechtlichen Genehmigungen abgedeckt sind und werden ggf. die Arbeitsbereiche der zuständigen Strahlenschutzbeauftragten neu definieren oder die Bestellung neuer Strahlenschutzbeauftragter veranlassen.

Dosisgrenzwerte für Personen

Es gelten folgende Grenzwerte für die effektive Dosis:

  • Beruflich nicht strahlenexponierte Personen: 1 mSv im Kalenderjahr
  • Personen unter 18 Jahren: 1 mSv im Kalenderjahr


Personen, die bei ihrer Berufsausübung eine effektive Dosis von mehr als 1 mSv im Kalenderjahr erhalten können, gelten als beruflich strahlenexponierte Personen.

  • Beruflich strahlenexponierte Personen der Kategorie B: 6 mSv im Kalenderjahr
  • Beruflich strahlenexponierte Personen der Kategorie A: 20 mSv im Kalenderjahr
  • Beruflich strahlenexponierte Personen: 400 mSv Berufslebensdosis

Alle Mitarbeiter von MHFe sind beruflich strahlenexponierte Personen der Kategorie B

Dosisleistungs-Spektrum

Spektrum Dosisleistungen.png

Besucher

Besucher, die sich kurzzeitig bei DESY zu einer Besichtigung aufhalten ohne hier zu arbeiten, gelten als beruflich nicht strahlenexponierte Personen. Ihnen darf der Zutritt zu Kontrollbereichen gestattet werden, wenn die Voraussetzungen dazu erfüllt sind:

  • Unterweisung zu Regeln in Kontrollbereichen.
  • Zugang nur in Begleitung einer orts- und sachkundigen Person.
  • Messung der Personendosis. Die Begleitung trägt ein amtliches Personendosimeter und ein sofort ablesbares Personendosimeter.
  • Dokumentation mit Datum, Unterweisung, Unterschrift und gemessener Dosis an D3.

Strahlenschutzbereiche

Überwachungsbereich
Überwachungsbereiche sind laut StrlSchV betriebliche Bereiche, in denen Personen im Kalenderjahr eine effektive Dosis von mehr als 1 mSv (aber weniger als 6 mSv) erhalten könnten. Dabei muss eine Aufenthaltszeit von 40 Stunden pro Woche und 50 Wochen im Kalenderjahr angenommen werden, soweit keine anderen begründeten Angaben über die Aufenthaltszeit vorliegen. Überwachungsbereiche sind nicht gekennzeichnet.
Im Gegensatz zur StrlSchV definiert DESY einen Kontrollbereich bereits bei mehr als 1 mSv Personendosis (ab 3 mSv Ortsdosis).

Kontrollbereich
Kontrollbereiche sind definiert als Bereiche, in denen Personen im Kalenderjahr eine effektive Dosis von mehr als 6 mSv erhalten können. Dabei muss eine Aufenthaltszeit von 40 Stunden pro Woche und 50 Wochen im Kalenderjahr angenommen werden. (Bei 2000 Stunden Aufenthalt pro Jahr in einem zeitlich konstanten Strahlungsfeld entspricht die Grenze einer Ortsdosisleistung von 3 μSv/h).

Sperrbereich
Sperrbereiche sind Bereiche, in denen die Ortsdosisleistung höher sein kann als 3 mSv/h. An den Zugängen ist ein Sperrbereich durch Schilder oder Leuchttableaus mit einem Strahlenzeichen und entsprechender Aufschrift (schwarz auf gelbem Grund) zu kennzeichnen:

Festlegung der Strahlenschutzbereiche
Die Festlegung und Kennzeichnung der Strahlenschutzbereiche erfolgt durch die Strahlenschutzbeauftragten des Arbeitsbereichs „Allgemeiner Strahlenschutz“. Wenn in einem Arbeitsbereich ein Kontroll- oder Sperrbereich entstehen kann, hat der zuständige Strahlenschutzbeauftragte die Strahlenschutzbeauftragten des Arbeitsbereichs „Allgemeiner Strahlenschutz“ darüber zu informieren.

Interlocksysteme

Wenn beim Betrieb eines Beschleunigers, eines Störstrahlers oder eines Experimentiergebiets in einem dazugehörigen Sperrbereich eine Ortsdosisleistung auftreten kann, die deutlich höher ist als 3 mSv/h, so muss dieser Bereich durch ein Interlocksystem gesichert sein. Die Verantwortung für die Bereitstellung des Interlocksystems trägt der Strahlenschutzbeauftragte, in dessen Arbeitsbereich der Betrieb fällt.

Die Sicherheitseinrichtungen der Interlocksysteme und die logischen Verknüpfungen ihrer Signale werden technisch erstellt von den Gruppen MPS und MEA. Die Sicherheitseinrichtungen wirken auf technische Komponenten, für deren Funktion die Gruppen MIN, MHF-e, MHF-p, MHF-sl, MVS, MKS, MKK, MDI und FS zuständig sind. Die Strahlenschutzbeauftragten der oben genannten Gruppen sind für die ordnungsgemäße Ausführung, für Reparaturen und die Dokumentation ihrer Teilbereiche des Interlocksystems verantwortlich.

Reparaturen und Änderungen
Reparaturen und Änderungen dürfen nur von Mitarbeitern der für die jeweilige Sicherheitseinrichtung verantwortlichen Gruppe oder unter deren Aufsicht durchgeführt werden. Sie müssen im Einvernehmen mit den für den Beschleuniger- oder Experimentiergebietsbetrieb verantwortlichen Strahlenschutzbeauftragten erfolgen. Mit den Strahlenschutzbeauftragten des Arbeitsbereichs „Allgemeiner Strahlenschutz“ müssen Art und Umfang der durch diese Maßnahmen notwendigen Nachprüfungen vor Beginn der jeweiligen Arbeiten festgelegt werden.

Störstrahler und deren Testgebiete

Störstrahler sind Geräte, die Röntgenstrahlen erzeugen, ohne dass sie zu diesem Zweck betrieben werden (z.B. Klystron, Elektronenmikroskop). Störstrahler, die nicht zum Beschleunigerbetrieb gehören, unterliegen der Röntgenverordnung, wenn die Energie der Elektronen zwischen 5 keV und 3 MeV liegt.
Die Inbetriebnahme von Störstrahler-Testgebieten, die eine Abschirmung oder ein Interlocksystem erfordern, erfolgt analog zu der eines Beschleunigers. Die Verantwortung für die Durchführung liegt bei dem für den Betrieb zuständigen Strahlenschutzbeauftragten.
Beim Betrieb eines Teststandes ist ein Betriebsbuch zu führen. Die Verantwortung dafür trägt der Strahlenschutzbeauftragte des jeweiligen Teststandes. Die Eintragungen erfolgen durch den Mitarbeiter, der im Auftrag des Strahlenschutzbeauftragten des Teststandes für den Betrieb verantwortlich ist.

Im Betriebsbuch sind einzutragen:

  • Name des für den Betrieb verantwortlichen Mitarbeiters
  • Zeitpunkt der Absuche des Interlockgebietes des Teststandes und Namen der Absuchmannschaft
  • Alarme der Strahlenüberwachungsanlage (Zeitpunkt und Ort)
  • Vorkommnisse, die das Interlocksystem betreffen (wie z.B. Interlockbrüche und Interlocköffnungen)
  • Entnahme von Interlockschlüsseln.

Zugang zu zeitweisen Sperrbereichen mit abgeschlossenen Gittern oder Türen („ZTS“-Schlüsselprozedur)

Der verantwortliche Mitarbeiter, der ein Gebiet mit abgeschlossenen Gittern oder Türen öffnen will, ist vorab über die ZTS-Schlüsselprozedur durch den Strahlenschutzbeauftragten des Arbeitsbereichs „MBB“ zu unterweisen. Vor dem Zugang erhält er über die Schichtbesatzung einen Interlockschlüssel des betroffenen Beschleunigers bzw. Beschleunigerbereichs. Diesen Interlockschlüssel gibt er bei der „ZTS“-Schlüsselausgabe der Gruppe SAVE ab und erhält dann den Schlüssel zu dem gewünschten Gebiet. Damit ist der Mitarbeiter für das korrekte Brechen der erforderlichen Interlockgebiete vor Beginn und nach Abschluss der Arbeiten und das Absuchen der betroffenen Gebiete nach Abschluss der Arbeiten alleinig verantwortlich.

Prozedur für das gruppeneigene Testgebiet "Cavity-Teststand - CaTs" in Geb. 30:

  • Der Mitarbeiter möchte einen mit abgeschlossenen Gittern oder Türen gesicherten Sperrbereich betreten
  • Der Mitarbeiter muss durch MBB unterwiesen und in der bei SAVE vorliegenden Liste verzeichnet sein
  • Der Mitarbeiter entnimmt den Interlockschlüssel des Testgebietes, dabei Protokollierung der Interlockschlüsselentnahme im Testgebiets-Betriebsbuch
  • Der Mitarbeiter gibt bei SAVE den Interlockschlüssel des Testgebietes ab und erhält den Schlüssel zu dem Gebiet, dabei Protokollierung der Gebietsschlüsselentnahme und Unterschrift durch den Mitarbeiter
  • Der Mitarbeiter ist dafür verantwortlich, falls erforderlich, angrenzende Interlockgebiete vor dem Öffnen und Betreten des betreffenden Gebiets, entsprechend der bei SAVE befindlichen Anweisung, zu brechen
  • Wenn die Arbeit in dem Gebiet beendet ist, sucht der Mitarbeiter das Gebiet verantwortlich ab und verschließt es wieder sorgfältig
  • Der Mitarbeiter gibt den Gebietsschlüssel wieder bei SAVE ab und erhält den Interlockschlüssel des Beschleunigers zurück, dabei Protokollierung der Gebietsschlüsselrückgabe
  • Der Mitarbeiter steckt den Interlockschlüssel zurück

Prüfungen

Ein Beschleuniger, Experimentiergebiet oder Störstrahler ist vor erstmaliger Inbetriebnahme vollständig unter der Leitung eines Strahlenschutzbeauftragten des Arbeitsbereichs „Allgemeiner Strahlenschutz“ und unter der Beteiligung eines externen, amtlich anerkannten Sachverständigen zu prüfen. Eine Wiederholungsprüfung ist jährlich mindestens einmal durchzuführen.

Herausbringen und Freigabe aktivierter Materialien

Wenn Gegenstände aus Beschleunigerräumen herausgebracht werden sollen, die dort während des Strahlbetriebs gewesen sind, müssen sie freigegeben oder gekennzeichnet werden. Gegenstände Störstrahlertestständen müssen nicht freigegeben oder gekennzeichnet werden. Die Freigabe kann zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, wenn die Gegenstände zunächst in einen abgegrenzten und als Kontrollbereich gekennzeichneten und gesicherten Raum gebracht werden. Wenn erforderlich, werden an den Gegenständen Warnschilder oder Warnaufkleber angebracht mit dem Strahlenzeichen und der Aufschrift „Radioaktive Stoffe“ oder „Vorsicht Radioaktivität“. Diese Kennzeichnung darf nur von einem Mitglied der Strahlenschutzgruppe D3 wieder entfernt werden. Eine Freigabe ist für alle Komponenten erforderlich, die aus einem Beschleunigerraum herausgebracht werden sollen, mit den Ausnahmen:

  1. Der Beschleunigerraum ist nach dem Abschalten kein Kontrollbereich und die Komponente war nicht strahlrohrnah, oder
  2. Es gab keinen Strahlbetrieb während des Aufenthalts der Komponente im Beschleunigerraum.