Einkopplung, geschmolzene Fensterkeramik

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Zum Ende des PETRA Shut-Downs, im Juni 1988, sollten die HF-Systeme in wieder Betrieb genommen werden. Die Cavities waren evakuiert, aber noch unkonditioniert. Ein defekter Endschalter an einer Hohlleiter-Kurzschlussplatte meldete "Absorberbetrieb". Das Vakuum-Interlock der Cavities war dadurch deaktiviert. Nach dem Einschalten der Senderanlage und dem vorsichtigen Hochfahren der Senderleistung fingen die Anzeigen für Cavity-Reflexion und Cavity-Spannung an zu zappeln. Man war der Meinung, dass die Cavity-Tuning-Regelungen aufgrund der niedrigen Leistung noch nicht richtig regelten und erhöhte daraufhin die Leistung.

Ausgebauter Einkoppler, vakuumseitig, DESY-Archiv-Nr 41253/5
Ausgebauter Einkoppler, luftseitig, DESY-Archiv-Nr 41253/7
Luftseitige Ansicht des geschmolzen Keramikfensters
Vakuumseitige Ansicht des geschmolzen Keramikfensters

Dann war ein langsam lauter werdendes Grollen und Donnern aus dem Tunnel zu hören. Als dann noch Kollegen angelaufen kamen und von Blitzen und Funken an den Doorknobs berichteten, wurde der Sender eilig per Knopfdruck abgeschaltet. Was anschließend zu Tage kam, zeigen die folgenden Bilder. Verursacht wurde das Desaster durch schätzungsweise 10 kW Vorlaufleistung pro Einkoppler über weniger als eine Minute. Da ein großer Teil der HF-Leistung am Einkoppelfenster reflektiert wurde, muss die umgesetzte Energie deutlich kleiner als 600 kWs gewesen sein.

In Folge mussten alle acht Cavities der Sektion PETRA-Süd-Rechts ausgebaut und durch Beizen der Vakuumoberflächen gereinigt werden. Nachwirkungen sind bis heute zu spüren. Die Cavities der betroffenen Sektion PETRA-Süd-Rechts haben einen etwas höheren Vakuumdruck und brauchen nach einer Belüftung deutlich mehr Pumpzeit, um wieder auf einen betriebsfähigen Vakuumdruck zu kommen.

Im Artikel PETRA-7-Zeller sind im Abschnitt "Arschbacken-Mode" Fotos eines der durch den Unfall betroffenen Cavities abgebildet. Alle Cavities der Sektion PETRA-Süd-Rechts zeigen mehr oder weniger stark ausgeprägt derartige Oberflächenmuster. Da die Cavities der Sektion PETRA-Süd-Links diese Muster nicht zeigen, ist ein Zusammenhang mit dem Ereignis von 1988 naheliegend. Vermutlich waren beim damaligen Beizprozess Rückstände in den Cavities geblieben, die zusammen mit strahlinduzierten HOM-Feldern diese lokale Oberflächenverfärbungen erzeugt haben.